Das Mammut und ein Fast-PR-GAU

Das Mammut ist ausgestorben (ob durch Klimawandel oder aus anderen Gründen, das ist umstritten). Das Mammut ist aber nicht nur ausgestorben, sondern auch ein Unternehmen «für die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Alpin‑, Outdoor- und Snowsport-Produkten» und – wie das Unternehmen wiederum selber schreibt –

Wir wollen die besten alpinen Produkte anbieten, eine hohe soziale Verantwortung wahrnehmen, auch gegenüber unseren Partnern, und den bestmöglichen ökologischen Fussabdruck hinterlassen. Damit unsere Nachfahren auch Alpinisten sein können.

Die natur- und klimabewusste Haltung ist verständlich, denn wo sollen unsere Nachfahren frohe Alpinisten sein, wenn die letzten Gletscher geschmolzen und nur Geröllhalden übrig sind.

Umso mehr musste also der frohe Alpinist staunen, denn da fand sich Mammut auf einer von Economiesuisse und dem Gewerbeverband initiierten Liste von Unternehmen (www.co2.ch), welche sich gegen das zurzeit im Parlament behandelte CO2-Gesetz stellen.

Auf seiner Facebook-Seite wurde Mammut in den letzten Tagen und Stunden zahlreich auf diesen Widerspruch hingewiesen. Zunächst versuchte Mammut, die Stellung zu halten mit Textbausteinen über «einen umfassenden Ansatz» (siehe Einträge zwischen dem 22./23. August 2011), doch erklärten diese nicht das Engagement gegen das CO2-Gesetz. (Dieser erklärte sich vielleicht vielmehr daraus, dass der Mammut-Geschäftsleiter, Rolf. G. Schmid, zugleich Vorstandsmitglied der Economiesuisse ist.)

Die Wortmeldungen wurden zahlreicher – eine social network-Revolution im Kleinen – und schliesslich gab Mammut den «Widerstand» auf:

Die massive Kritik der vergangenen Stunden auf der Facebook Page hat uns veranlasst, den Eintrag auf der Webseite co2.ch per sofort zu entfernen.

Tatsächlich lag der Präsenz von Mammut auf dieser Liste keinerlei strategische Bedeutung zugrunde. Aus diesem Grund tun wir uns nicht schwer die Position von co2.ch nicht weiter öffentlich zu vertreten. Die Vermutung … trifft zu, dass wir «halt mal angefragt worden sind» und dann zugesagt haben, ohne uns der Konsequenzen in diesem Umfang bewusst gewesen zu sein.

In keiner Art und Weise wollen wir unser Engagement in Sachen Nachhaltigkeit durch das Halten einer Position, die keine strategische Relevanz hat, gefährden. …

… Wir bedanken uns auch für die mehrheitlich sachliche Argumentation, die uns nicht nur dazu angeregt hat, unseren Standpunkt zu revidieren, sondern auch eine weitere wichtige Lektion im Umgang mit Social Media zu lernen.

Man darf gespannt sein, ob weitere Unternehmen, die zurzeit auf der Anti-CO2-Gesetz-Liste verzeichnet sind, ihren Standpunkt revidieren. Insbesondere solche Unternehmen, die wahrscheinlich ebenso «halt mal angefragt worden sind», ohne dass das Gesetz einen Kernbereich ihrer Unternehmenstätigkeit betreffen würde – schon aus Reputationsgründen müssen sie sich darüber Gedanken machen.

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